Das Vorhaben „Hotel – und Gaststättenkomplex Loschwitzhöhe“

Das Vorhaben „Hotel – und Gaststättenkomplex Loschwitzhöhe“

Die Vorgeschichte und der Plan des Investors

In unmittelbarer Nähe zur Bergstation der Schwebebahn in Dresden-Loschwitz wurde 1901 ein Ausflugslokal errichtet, das sich harmonisch in die umgebende Bebauung eingefügt hat. Das Gebäude musste 1979 als baufällig abgerissen werden. Seither ist das Grundstück an der Oeserstraße unbenutzt. Es wurde schließlich 2002 von der Stadt Dresden an ihre Stadtwerke verkauft. Diese wiederum haben das Grundstück 2007 an den Investor Immobilienwert Sachsen AG aus Herbrichtshausen/Ulm verkauft, der auf dem 3.575 m2 großen Grundstück einen Hotel- und Gaststättenkomplex errichten möchte. Im Auftrag des Investors hat das Architekturbüro Kretschmar und Dr. Borchers einen Plan zur Bebauung des Grundstücks erarbeitet und der Stadt zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens vorgelegt.

 
Der Plan sieht unmittelbar neben dem als Denkmal geschützten Turm der Schwebebahn einen ca. 60 m langen, vierstöckigen Hotel- und Gaststättenkomplex mit 400 Innen- und 400 Außenplätzen, 70 Betten sowie 3 Wohnungen plus Tiefgarage vor (zum Vergleich: Luisenhof 590, Waldschlösschen 500, Schillergarten 400 Innen- plus Terrassenplätze). Für den Komplex müsste ein wesentlicher Teil der Grundstücksfläche bebaut werden. Nach dem derzeitig gültigen Bebauungsplan ist auf dem Grundstück nur eine zweistöckige Wohnbebauung auf einer Fläche von maximal 200 m2 zulässig. Der Plan überschreitet die dort erlaubten Längen-, Flächen- und Volumenmaße für Gebäude um ein Vielfaches. Das Vorhaben ist mit dem derzeit gültigen Bebauungsplan und der Denkmalschutzsatzung für den Elbhang nicht verträglich. Bei Umsetzung des Planes könnten sich gleichzeitig bis zu 900 Personen auf dem Gelände aufhalten. Bei dreimaligem Platzwechsel würde das bis zu 2.500 Besucher pro Tag mit den entsprechenden PKW- Bewegungen bedeuten.
 
 
Die „Bürgerinitiative Loschwitzhöhe“ und ihre Meinung zu dem Vorhaben
 
Erst wenige Tage bevor der Bauausschuss des Stadtrates Dresden sich im März dieses Jahres mit dem Antrag des Investors befasst hat, haben Anwohner der Oeserstraße von dem Vorhaben erfahren. Spontan hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, denn die Anwohner in Loschwitz halten den Plan des Investors für überzogen und nicht den örtlichen Gegebenheiten des als Denkmal geschützten Elbhanges angemessen. Für die angesichts der Größe des Komplexes zu erwartenden Besucher- und PKW-Zahlen und für die notwendigen Ver- und Entsorgungsfahrzeuge sind weder die engen, z.T. einspurigen Einbahnstraßen im Wohngebiet Oberloschwitz ausgelegt, noch sind die notwendigen Parkplätze vorhanden. Vom Investor gibt es zur Lösung dieser Probleme bisher keine überzeugenden Vorschläge. Insbesondere aber passt sich das Vorhaben des Investors nicht in die durchgrünte villenartige Wohnbebauung des Loschwitzer Elbhangs ein. Die Schönheit des denkmalgeschützten Elbhanges würde an dieser einzigartigen, von weit her einsehbaren Stelle der Vergangenheit angehören.
 
Die „Bürgerinitiative Loschwitzhöhe“ wehrt sich deshalb gegen die Umsetzung des Plans des Investors, der zu einer Zerstörung der Landschaft führen würde. Sie tritt für eine Bebauung eines der schönsten noch freien größeren Plätze am Elbhang mit einem Gebäude ein, das sich harmonisch in den Hang einfügt und die Interessen der Dresdner Bürger, insbesondere auch der Loschwitzer Anwohner sowie die Belange von Denkmal- und Umweltschutz berücksichtigt. Die Initiative versucht durch Gespräche mit Politikern und anderen Persönlichkeiten, durch Aufklärung der Öffentlichkeit und der Ämter (insbesondere Denkmal- und Umweltschutz), durch eine Unterschriftenaktion, durch Teilnahme an Gesprächen und Sitzungen der mit dem Vorhaben befassten Gremien der Stadt und durch Medienarbeit ihre Ansicht zu vertreten und den vorgesehenen massiven Eingriff in die Bebauung des Elbhanges zu verhindern. Das vorrangige Ziel der Bürgerinitiative besteht darin, die gewachsene Einmaligkeit dieser Landschaft zu erhalten, die mit ihrer Schönheit und Romantik, mit ihrem harmonischen Einklang von Natur und Architektur auch Künstler und Wissenschaftler über Jahrhunderte angezogen hat. Eine Zerstörung des Elbhangs durch eine unangemessene Bebauung und eine dem dortigen Wohngebiet unzuträgliche Verkehrs- und Lärmbelastung würde unumkehrbaren Schaden in einem der sensibelsten Gebiete unserer schönen Stadt anrichten.
 
  
Die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Bau am 19.03.2008
 
Am 19. März ds. Js. hat sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau des Stadtrates der Landeshauptstadt Dresden auf Antrag des Investors mit dem Vorhaben befasst. Ihm lag ein Beschluss zur Aufstellung eines auf das Vorhaben bezogenen Bebauungsplanes vor. Auf Antrag des Investors und mit Unterstützung der Stadtverwaltung sollte ein beschleunigtes Verfahren ohne Prüfung der Umweltverträglichkeit (Punkt 3 der Beschlussvorlage) sowie ohne frühzeitige Bürgerbeteiligung (Punkt 4 der Vorlage) durchgeführt werden! Der Plan für das Vorhaben und der Antrag waren vom Stadtrat Dietmar Kretschmar, der auch Mitglied des Bauausschusses ist, in seinem Architekturbüro Kretschmar und Dr. Borchers erarbeitet worden. Herr Kretschmar hat zwar zu Beginn der Sitzung seine Befangenheit erklärt und hat sich bei der Abstimmung vertreten lassen, konnte aber sein Vorhaben erläutern und hat an der gesamten Sitzung zusätzlich zu seinem Vertreter teilgenommen! Als Sprecher der als Gäste an der Sitzung teilnehmenden Vertreter der Bürgerinitiative konnte Herr Klaus Bongartz die Meinung der Bürgerinitiative vorstellen. Übereinstimmend mit seinen Ausführungen haben sich in der z.T. kontroversen Diskussion mehrere Mitglieder des Ausschusses gegen ein beschleunigtes Verfahren ohne frühzeitige Beteiligung der Bürger sowie ohne Beteiligung von Umwelt- und Denkmalschutz ausgesprochen. Nach der Erklärung von Herrn Kretschmar, dass er und der Investor auch mit einem Beschluss ohne die entsprechenden Punkte 3 und 4 der Vorlage einverstanden wären, hat der Vorsitzende des Ausschuss, Herr Bürgermeister Feßenmayr auf Antrag eines Stadtrates den Beschlussvorschlag ohne diese Punkte zur Abstimmung gestellt. Diesem modifizierten Beschlussvorschlag zur Aufstellung eines auf das Vorhaben bezogenen Bebauungsplanes zur Errichtung eines Hotel- und Gaststättenkomplexes hat der Ausschuss einstimmig zugestimmt. Der „Bürgerinitiative Loschwitzhöhe“ ist es somit mit Unterstützung einiger Stadträte im letzten Moment wenigstens gelungen, den von Investor und Stadtverwaltung vorgesehenen Ausschluss der frühzeitigen Bürgerbeteiligung sowie von Denkmal- und Umweltschutz bei der Entscheidung zur Bebauung des Geländes zu verhindern.
 
  
Die Folgen des Beschlusses des Bauausschusses und das weitere Vorgehen
 
Mit seinem Beschluss hat der Bauausschuss des Stadtrates der Stadt Dresden die Ausschreibung eines Wettbewerbs zur Bebauung des Grundstücks mit einem Hotel- und Gaststättenbetrieb und die hierfür notwendige Aufstellung eines neuen, auf das Vorhaben bezogenen Bebauungsplanes für diesen Teil von Oberloschwitz beschlossen. In einem Gespräch am 17.04.2008 wurde von Vertretern des Stadtplanungsamtes den Vertretern der Bürgerinitiative das weitere Verfahren zur Erstellung des Bebauungsplanes erläutert. Danach werden in Gesprächen zwischen Stadtplanungsamt und Investor bzw. Architekturbüro Kretschmar und Dr. Borchers zunächst die vom Investor einzuholenden Gutachten (Verkehr, Parksituation, Denkmal, Umweltschutz, etc) festgelegt. Hieraus würden sich nach Aussagen der Stadtverwaltung die Vorgaben (insbesondere bereits die Baumasse!) für den dann wiederum vom Investor zu veranlassenden Wettbewerb ergeben. Als Ergebnis des Wettbewerbs wird dann nach Entscheidung einer Jury ein Vorentwurf für das Bauvorhaben erstellt.
 
Die Vorarbeiten und die Durchführung des Wettbewerbs zur Erstellung des Vorentwurfes liegen somit weitgehend in den Händen des Investors! Erst wenn der ämterintern in Absprache mit dem Investor erstellte Vorentwurf vorliegt, beginnt das eigentliche Baurechtsverfahren bei dem Bürger sowie die Träger öffentlicher Belange ihre Anregungen und Einwände vorbringen können. Stellungnahmen zu Einwänden und Anregungen zum Vorentwurf werden allerdings erst nach Abschluss des gesamten Verfahrens von der Stadt erteilt!
 
Die Bürgerinitiative befürchtet, dass es außerordentlich schwer sein wird, nachträglich noch wesentliche Änderungen am Vorentwurf für den Bebauungsplan zu erreichen. Sie wird deshalb schon während der Vorarbeiten zur Erstellung des Vorentwurfes durch die oben geschilderte Öffentlichkeitsarbeit ihre Meinung deutlich kund tun. Nur so erscheint es möglich, die Umsetzung des derzeitigen Planes des Investors bzw. einer nur wenig modifizierten Variante mit ihrem massiven Eingriff in den Elbhang zu verhindern. Die endgültige Entscheidung über den vom Stadtplanungsamt vorgelegten Entwurf liegt dann beim Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau beziehungsweise schließlich beim Stadtrat.
 
 
Wir rufen die Dresdner Öffentlichkeit, die Mandatsträger unserer Stadt und die mit dem Vorhaben in der Stadtverwaltung befassten Personen auf, das Anliegen der „Bürgerinitiative Loschwitzhöhe“ zu unterstützen, um die über Jahrhunderte gewachsene Schönheit unseres geschützten Elbhangs in Loschwitz zu erhalten und nicht dem Interesse gewerblicher Investoren zu opfern.